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Am
Puls der Zeit: Lesebühnen im Trend
Marburg. Mit einer Sondershow der Berliner Spaßcombo Brauseboys
präsentierte die Marburger Lesebühne Late-Night-Lesen am Donnerstag
den bisherigen Höhepunkt ihres Jahresprogramms: Nils Heinrich,
Heiko Werning, Frank Sorge, Volker Surmann und Robert Rescue lasen mehr
als zwei Stunden lang Texte aus ihrem reichhaltigen Repertoire und peppten
die Performance durch gelegentliche Gesangseinlagen auf.
Die rund 70 Besucher in
der damit proppenvollen Cavete genossen den oftmals derben Humor der
Autoren, die mit Erinnerungen an immer gleiche Urlaube im Harz, Studien
über deutsche Nacktbadestrände oder der detailreichen Schilderung
einer pre-operativen Intimrasur für ausgelassene Stimmung sorgten.Obwohl
schon die Texte einen hohen Spaßfaktor aufwiesen, waren die
Gesangseinlagen von Showtalent Nils Heinrich die Höhepunkte des
Abends. Sein Rap über die Vorzüge des Angelsports wurde
ebenso umjubelt wie der Rückblick auf ein entbehrungsreiches
Aufwachsen in der ehemaligen DDR. Der Erfolg der Brauseboys, die in
Berlin wöchentlich zu sehen sind und dort längst Kultstatus
haben, steht exemplarisch für die stetig wachsende Beliebtheit
deutscher Lesebühnen. Allein das Late-Nigt-Lesen lockt an jedem
ersten Mittwoch im Monat gut 80 Besucher in die Cavete, und das ohne
groß angelegte Werbekampagnen."Man kriegt dort gute Unterhaltung
für wenig Geld", versucht Nils Heinrich den Zuschauerboom
zu erklären und trifft damit ins Schwarze. Lesebühnen eröffnen
dem Zuschauer die Möglichkeit, für einen kleinen Eintrittspreis
Einblicke in die regionale Underground-Literaturszene zu nehmen und
sie sind zudem häufig am Puls der Zeit. Trends wie die momentan
angesagte Slam-Poetry haben dort ihren Ursprung, und begabte Künstler
nutzen die kleinen Bühnen als Sprungbrett für eine überregionale
Karriere. Marburger Lesebühnenautoren wie Lars Ruppel, Peter
Janicki oder Christoph Kirschenmann sind in der Szene heute weit über
die Lahnstadt hinaus bekannt, Ruppel tourt sogar mit einer eigenen
Slam-Boygroup durch die Schweiz.Dass häufig regionale Musiker
die Auftritte der Autoren begleiten, erhöht den Unterhaltungsfaktor
zusätzlich, und Unterhaltung ist das Hauptanliegen einer guten
Lesebühne. Tiefgründigkeit und literarische Raffinesse findet
man dort selten, aber wer entspanntes, modernes Entertainment sucht,
sollte eintauchen in die stetig größer werdende Landschaft
deutscher Lesebühnen - er wird reich belohnt, ohne dabei arm
zu werden.
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