_ März 2006: Die "Oberhessische Presse" über den derben Auftritt der Spaßcombo Brauseboys in der Marburger Cavete und das "Showtalent" Nils Heinrich

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Am Puls der Zeit: Lesebühnen im Trend
Marburg. Mit einer Sondershow der Berliner Spaßcombo Brauseboys präsentierte die Marburger Lesebühne Late-Night-Lesen am Donnerstag den bisherigen Höhepunkt ihres Jahresprogramms: Nils Heinrich, Heiko Werning, Frank Sorge, Volker Surmann und Robert Rescue lasen mehr als zwei Stunden lang Texte aus ihrem reichhaltigen Repertoire und peppten die Performance durch gelegentliche Gesangseinlagen auf.

Die rund 70 Besucher in der damit proppenvollen Cavete genossen den oftmals derben Humor der Autoren, die mit Erinnerungen an immer gleiche Urlaube im Harz, Studien über deutsche Nacktbadestrände oder der detailreichen Schilderung einer pre-operativen Intimrasur für ausgelassene Stimmung sorgten.Obwohl schon die Texte einen hohen Spaßfaktor aufwiesen, waren die Gesangseinlagen von Showtalent Nils Heinrich die Höhepunkte des Abends. Sein Rap über die Vorzüge des Angelsports wurde ebenso umjubelt wie der Rückblick auf ein entbehrungsreiches Aufwachsen in der ehemaligen DDR. Der Erfolg der Brauseboys, die in Berlin wöchentlich zu sehen sind und dort längst Kultstatus haben, steht exemplarisch für die stetig wachsende Beliebtheit deutscher Lesebühnen. Allein das Late-Nigt-Lesen lockt an jedem ersten Mittwoch im Monat gut 80 Besucher in die Cavete, und das ohne groß angelegte Werbekampagnen."Man kriegt dort gute Unterhaltung für wenig Geld", versucht Nils Heinrich den Zuschauerboom zu erklären und trifft damit ins Schwarze. Lesebühnen eröffnen dem Zuschauer die Möglichkeit, für einen kleinen Eintrittspreis Einblicke in die regionale Underground-Literaturszene zu nehmen und sie sind zudem häufig am Puls der Zeit. Trends wie die momentan angesagte Slam-Poetry haben dort ihren Ursprung, und begabte Künstler nutzen die kleinen Bühnen als Sprungbrett für eine überregionale Karriere. Marburger Lesebühnenautoren wie Lars Ruppel, Peter Janicki oder Christoph Kirschenmann sind in der Szene heute weit über die Lahnstadt hinaus bekannt, Ruppel tourt sogar mit einer eigenen Slam-Boygroup durch die Schweiz.Dass häufig regionale Musiker die Auftritte der Autoren begleiten, erhöht den Unterhaltungsfaktor zusätzlich, und Unterhaltung ist das Hauptanliegen einer guten Lesebühne. Tiefgründigkeit und literarische Raffinesse findet man dort selten, aber wer entspanntes, modernes Entertainment sucht, sollte eintauchen in die stetig größer werdende Landschaft deutscher Lesebühnen - er wird reich belohnt, ohne dabei arm zu werden.