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Dies ist Nilsens Tourbericht. (Ich möchte aber den Tourbericht von Heiko lesen)
Unterwegs mit Jungs
Die Brauseboys-Rhein-Main-Tour März 2006. Ein Erlebnisbericht von Nils Heinrich
Übrigens: einige schöne Presseberichte über die Tour findet man bei den Pressestorys
(Auch diese Seite sieht wieder in jedem Browser anders aus.)

BERLIN. Es ist ein strahlender Vorfrühlingsmittwoch, der uns alle äußerst freigiebig mit Sonnenschein und milden Temperaturen beschenkt. Ein Tag zum Helden zeugen, ein Tag um Kaiser zu krönen, ein Tag, um als Brauseboy auf Tour zu gehen. Um kurz nach 10 Uhr, einer Zeit also, zu der Berufstätige in düsteren Gängen von Berliner Verwaltungsbunkern zur ersten Raucherpause schlurfen und nicht Berufstätige sich mit ihrem Fallmanager treffen, gibt Robert Rescue in der Wohnung von Heiko Werning bekannt: „So, mein Gepäck und den Schlafsack hab ich jetzt hier. Frank wartet im Laine-Art auf uns.“ „Wieso im Laine-Art? Wieso kommt er nicht her?“ „Das hat er aber gemailt, dass er im Laine-Art wartet, und wir ihn da mit dem Auto abholen.“ „Davon weiß ich nichts. Ich ging davon aus, dass er auch hier herkommt.“ „Nee, das hat er doch gemailt, dass er im Laine-Art mit dem Bücherkarton auf uns wartet, und wir ihn dort abholen und dann losfahren.“ „Aha. Davon wusste ich trotzdem nichts.“ „Komisch, er hats doch aber gemailt, dass er im Laine-Art wartet auf uns und wir ihn da mit dem Auto abholen sollen. Mit dem Bücherkarton.“ „Ich weiß davon trotzdem nix.“ „Aber wo er’s doch gemailt hat, dass er im Laine …“ Rüde wird der kleine Informationsaustausch von einem dritten Mitreisenden unterbrochen: „Mann, wir wollten schon seit 15 Minuten unterwegs sein. Lasst uns den Typen holen, den Kram einpacken und dann los.“ Verstummt willigen die anderen durch Nicken in diesen Hammerplan ein. Eine halbe Stunde später, viele Zigaretten später und den Umweg über das Laine-Art, wo wir Frank abgeholt und eingepackt haben, beschleunigen wir auf der Seestraße in Richtung Süden. Der Motor unseres Skoda Fabia surrt wie eine glückliche Nähmaschine. Jaa, da freut sich das kleine Autütütüt, dass es endlich mal wieder raus darf aus der Stadt. Sonne, trockenes Wetter und die Aussicht auf eine Reise nach Rheinland-Pfalz lassen die Stimmung im Wageninneren schon nach wenigen Minuten in Richtung angenehm tendieren. Da, plötzlich, scheint es, als ob himmlische Engelschöre schön, hoch, laut und verkündigungsvoll zu singen beginnen, weil ein auserwählter Hohepriester den Tempel betritt, um die Bundeslade zu öffnen. Aus der geheimnisvollen Tasche, die Robert Rescue in diesem Moment weihevoll öffnet, als wäre es die Bundeslade und er, Robert, ein auserwählter Hohepriester, aus dieser Tasche ergießt sich gleißendes Licht ins Wageninnere, das alle blendet und ehrfürchtig verstummen lässt. Robert Rescue, der Beifahrer Gottes, schickt sich an, eine von ihm gefertigte heilige Schrift aus seinem Gepäck zu nehmen: den Routenplaner. Stolz präsentiert St. Robert, oder auch, wie ich ihn schalkhaft nenne, „The Extrem explainin Brain“ eine glänzende Mappe, in der er vor seiner Karriere als Routenplanmanifestierer sinnlose Bewerbungen an Firmen verschickte, die an seinen herausragenden Fähigkeiten nicht im geringsten interessiert waren. Nun hatte die Plastik-Mappe endlich ihre endgültige, göttliche Bestimmung gefunden, sie, diese unscheinbare, einfache Mappe würde uns den Weg nach Südhessen und Nordost-Rheinland-Pfalz weisen. Jawohl! Wir würden uns keinen Zentimeter verfahren, wir nicht! Noch auf der Seestraße, direkt an einem großen, unübersehbaren Straßenschild mit Autobahnzeichen und dazugehörigem Geradeaus-Pfeil drauf, welches Heiko, unser Fahrer, bereits hunderte Male passierte, erteilt Robert mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldet, folgende Weisung: „Wir müssen erstmal geradeaus. Folgen sie der A 100 für 6,39 km. Und dann erreichen sie die Autobahn“ „Ah, danke für den Hinweis.“ sagt Heiko. Wir sind on the Road again, der Sonne entgegen, die von uns, weit weg im Süden, geputzt werden will. Der Wagen der tschechischen VW-Tochter liegt sicher wie ein Schienenfahrzeug auf dem guten deutschen Schnellfahrbitumen, mit atemberaubenden 120 Kilometer pro Stunde, Heiko scheut sich, schneller zu fahren, rasen wir dem Ort unseres Tourauftakts entgegen: Mainz. Stadt des Frohsinns, Stadt des ZDF, Stadt des, äh, ja, Kulturcafes auf dem Uni-Campus, das wir am Abend in ein schillerndes Showcasino verwandeln werden. Auf dem Rücksitz unseres Nightliners für Hartz IV-Empfänger kuscheln Frank und Nils sich an die Mitfahrerin ran. Sarah kommt aus Marburg, wo wir auch auftreten werden, was sie mit organisiert hat, wir werden sie in Gießen absetzen und bis dahin nutzen Frank und Nils, die einerseits seit Stunden, andererseits seit Wochen schon Körperkontakt zum weiblichen Geschlecht entbehren müssen, jede Gelegenheit, um scheinbar unaufdringlich, aber sanft, Hüfte mit Hüfte oder Oberschenkel mit Oberschenkel oder Fuß mit Fuß kollidieren zu lassen. „Ui, mir wird warm.“, sagt Sarah. Ja, das spüren wir.
Viele Stunden und einige Körperkontakte später erreichen wir die Wiesbadener Stadtgrenze. Durch diese Stadt müssen wir durch, um nach Mainz, am anderen Ufer des Rheins, zu gelangen. Nun schlägt die große Stunde von Mister GPS, Robert Rescue. „So, jetzt sag mal an, wo wir lang müssen!“, fordert Fernfahrer Heiko Werning, der Teddybär 1-4 der Brauseboys, Unterstützung an. Robert öffnet weihevoll seine Mappe und hebt zur Predigt an: „Verlassen Sie die die B 455 und fahren sie weiter geradeaus auf die Boelkestraße. Folgen Sie dem Straßenverlauf für 2,23 Kilometer.“ Heiko tut wie geheißen. Bis er fragt: „Und nu?“
„Fahren Sie in den Kreisverkehr Ludwigsplatz und verlassen sie ihn an der dritten Ausfahrt in die Ludwigsrampe.“ „Hier kommt kein Kreisverkehr.“ „Der Routenplaner sagt aber, dass da einer kommt.“ „Wenn du deine Augen mal vom Routenplaner weg auf die Straße blicken lässt, dann siehst du keinen Kreisverkehr.“ „Na dann weiß ich auch nicht.“ „Hast du denn keine Straßenkarte ausgedruckt?“ „Nö. Ich hab doch hier meinen Routenplaner.“ „Kannst du da bitte mal ein Feuerzeug ranhalten und ihn verbrennen? Der führt uns hier ins Nirvana, aber nicht nach Mainz! Ich halte jetzt an, du steigst aus und fragst irgendwen auf der Straße.“ Heiko tut wie geheißen, Robert tut wie geheißen, irgendwie ist die Temperatur im Wagen frostig geworden, es riecht nach Scheibenreiniger. Robert kommt zurück. „Wir müssen umdrehen und zurück und dann rechts. Mehr sag ich jetzt nicht.“ Kurze Zeit später erreichen wir das Universitätsgelände, wo unser Spielort liegt. Das Auto wird geparkt, Fahrer und Beifahrer steigen aus und reden kein Wort miteinander und gucken böse. Die erste Krise ist da. Robert und Heiko zerstritten. Aber warum sollte es den Brauseboys besser gehen als anderen Größen des Showgeschäfts? Man denke nur an David Gilmore und Roger Waters, Thomas Anders und Dieter Bohlen, Paul McCartney und John Lennon. Zerstritten, geschieden, erschossen. Oh oh. Wird heute, hier auf der Bühne in Mainz, der Stadt nahe Hessen, eine Bombe platzen???
Seid gespannt auf den zweiten Teil der Tourbiographie: „Unterwegs mit Jungs“.
Teil zwei: Mainz, Show.
Brumm. Brumm. Brumm. Dröhn. Stöhn. Nicht schön. Es ist entweder ein steinalter rheinland-pfälzischer Kühlschrank oder die GEZ-Gebühren-Geldzählmaschine des ZDF, die hier so brummt. Das ganze Kulturcafe ist erfüllt von tiefem, ehrlichem, für den Verursacher vielleicht sogar behaglichem Brummen. Vereinzelt tauchen ja in den Medien immer wieder Menschen auf, die behaupten, ständig von einem tiefen Brummen geplagt zu werden, was nur sie hören können und kein anderer. In diesem Moment, hier im Kulturcafe Mainz, kann ich nachempfinden, welches Höllengeräusch diese armen Menschen peinigt. Denn hier peinigt es uns alle. Außer Heiko: „Ach, das ist doch nicht schlimm, das hört doch keiner.“ Doch, ich höre es. Brumm. Brumm. Es ist einfach nicht möglich, eine leise Textstelle auch leise zu lesen, weil sie dann weggebrummt wird. Außerdem sitzt die erste Zuschauerreihe mindestens drei Meter, gefühlt aber 10 Meter, von der Bühne entfernt. Schon allein deshalb muss man hier lauter sprechen. Heikos Behauptung über das Brummen, „Das hört doch keiner!“ trifft später dann auf meinen Anglerrap „Fischers Fritz fischt frische Fische“ zu. Während der Nummer rennt Technikhonk Volker „Colonel“ Surmann panisch zum Mischpult, um das viel zu laute Playback leiser zu stellen. Er erwischt dabei jedoch den Regler fürs Mikrofon, was ich sofort bemerke und lauter rappe. Nein, belle. Ich belle meinen Text ins Mikrophon, was aber nix nützt, da das Mikro ab sofort nicht mehr verstärkt. Ich könnte in diesem Augenblick genau so gut wie der Fisch, über den ich rappe, einfach nur die Kiefer auseinander und wieder zusammenklappen, denn ich bin überhaupt nicht zu hören. Fragende Augen aus dem Zuschauerraum bemustern meine rätselhafte Darbietung. Was macht der da? Was soll das? Haben wir dafür Eintritt bezahlt?? Die brutale Erkenntnis, dass diese Glanznummer gerade überhaupt nicht funktioniert, lässt mich spontan den Text vergessen. Das fällt aber niemandem auf, weil mich ja niemand versteht. Ich komme mir vor wie ein Missionar, der gerade eben auf Papua Neuguinea ein wildes Urwaldvolk entdeckt hat und diesem auf altmittelhochdeutsch eine Predigt hält. Dann ist der Rap, den keiner verstanden hat, Gott sei dank fertig. Die Leute klatschen. Auch sie sind erleichtert. Irgendwann ist dann auch das Bier leer und wir fahren in die Wiesbadener Wohnung, die uns zum Nächtigen leichtsinnigerweise zur Verfügung gestellt wurde. Naja, wir fahren nicht gleich. Wir stehen ca. eine Stunde im Freien vor einem der beiden Autos, mit denen wir fahren sollen, herum. Denn der Schalldämpfer des Fiat ist abgefallen und würde beim Fahren keinen Schall mehr dämpfen, sondern durch Schleifen auf Asphalt starkes Schrammeln verursachen und Funken sprühen. Daher ruckeln der Wageninhaber und unser Handwerkergenie Frank Sorge wie von Sinnen unter dem Wagen, im Schmutzschnee liegend, an diesem Schalldämpfer rum. Gib ihn her, du Dreckskarre, lass jetzt los, der gehört uns. Irgendwann haben sie ihn abgerissen, und die Hälfte der Brauseboys fährt mit einem Fiat Punto, der röhrt wie eine miserabel getunte Vespa, durch die Nacht. Im anderen Auto fragt Frank Robert, ob er mal dessen Handy haben könne, um seine Freundin anzurufen. Sein Handy geht nicht, die T-Com hats totgemacht, wegen Geld oder so. Franks Freundin, sagt er, ruft dann auch auf Roberts Handy zurück, damit die T-Com oder wer auch immer nicht auch noch Roberts Handy wegen Geld tot macht. Und tatsächlich, sie ruft zurück. Vorm Schlafengehen in der Wohnung präsentiert Robert dann noch sechs Dosen gutes Efes-Pils, gerade an einer Wiesbadener Dönerbude erstanden für nur 11 Euro 60. „11,60 hab ich dafür gezahlt, ey, mann, 11, 60! Für sechs Dosen! Die spinnen doch hier in Wiesbaden. Also, ich mach das nicht noch mal. Wenn ihr in den nächsten Tagen noch Bier trinken wollt, bitte sehr! Ich hol nix mehr. 11,60! Für sechs Dosen. Ich glaubs ja nicht!“ Was Robert dann noch erzählt, weiß ich nicht mehr, weil ich einschlafe. Vom Bier trinke ich nix, ist mir zu teuer. 11,60, für sechs Dosen, die spinnen doch!
Am Morgen dann steht Volker als erster auf, denn er muss den Parkschein erneuern bzw. die Parkuhr füttern oder die Parkscheibe neu einstellen, damit wir keinen Strafzettel kriegen. Frank und ich gehen in die Küche, um Kaffee zu machen. Vorm Kühlschrank, ganz nah dran, in Kuscheldistanz, liegt ein Schlafsack, der gefüllt ist mit etlichen Kilogramm Robert Rescue. Weil wir ihn in der Küche beim Schlafen stören, zieht der Schlafsack um in das freie Surmann-Bett und nimmt Robert mit. Der Kaffee ist fertig, wir lassen das weich gebrannte Aufputschmittel durch uns durchlaufen. Frank fragt mich, ob er mal mein Handy haben könne, um seine Freundin anzurufen, sie ruft dann auch zurück. Und tatsächlich, sie ruft dann auch zurück. Volker betritt die Wohnung. Volker, der eigentlich nur den Parkschein erneuern bzw. die Parkuhr füttern oder die Parkscheibe neu einstellen wollte, wedelt mit einem Strafzettel für falsches Parken. Der Zettel ist maschinell erstellt und auch ohne Unterschrift gültig. Als letzter Satz auf der amtlichen Erpressung grüßt „Sincerely yours, ihr Ordnungsamt Wiesbaden.“ Dieser Strafzettel soll nicht der letzte sein.
Wieviele werden wir noch bekommen? Werden die Brauseboys insgesamt drauf zahlen und am Ende der Tour mit noch weniger als den berühmten sieben Euro nach Hause fahren? All dies soll im dritten Teil berichtet werden. Gleich oder bald oder demnächst.
Dritter Teil: Willkommen in Vegan City
Vor der Abfahrt nach Marburg schleiche ich schnell ins Bad. In meiner Hand verstecke ich ein Röhrchen Brausetabletten, die Vitamin C plus Zink enthalten. Die will ich in Leitungswasser auflösen, um mein Immunsystem zu stärken, damit ich nicht krank werde. Ich will nicht, dass Heiko mich mit dem Röhrchen sieht, sonst verhöhnt er mich wieder als Jammer-Ossi, was er gerne macht, wenn ihm nix besseres einfällt. Als ich das Badezimmer wieder verlassen will, steht Heiko vor der Tür. In seiner Hand hält er eine Schachtel Tabletten: Vitamin C plus Zink. Wir nicken uns zu.
Nun fahren wir nach Marburg. Dort, in der Cavete, war jeder von uns bereits. Nur als Brauseboys traten wir in Marburg noch nicht auf. Wir wohnen bei der Frank und Nils bereits sehr vertrauten Sarah, das Haus steht zentral am Marktplatz, auf den wir nicht mit dem Auto fahren dürfen. Die ganze Studentenstadt Marburg ist eine Fußgängerzone. Schon wenn man nur einen Führerschein besitzt, bekommt man hier ein Strafmandat. Das gilt übrigens auch für Fleischesser. Es gibt in ganz Deutschland keine Stadt mit einem annähernd dichten Netz aus Bio-Läden. Die Veganerdichte ist selbstverständlich auch sehr hoch in Marburg. Sarah verwöhnt uns am Abend mit Spaghetti und selbst gemachter, sehr leckerer Nudelsoße. Das Hackfleisch darin hat ihr ein sehr guter Freund unter mysteriösen Bedingungen in die Stadt geschmuggelt. Frank fragt Volker, ob er mal dessen Handy haben könne, um seine Freundin anzurufen, sie ruft dann auch zurück. Und tatsächlich, sie ruft dann auch zurück. Was bereden die beiden ständig?? So ein Handy wird, sobald sie dran ist, zu einer Art Fernbedienung, die Frank befielt, sich sofort von den anderen Boys abzukoppeln und sich in eine dunkle, stille, abhörsichere Ecke zurückzuziehen. Braucht Frank Zuspruch? Warum? Den kann er doch auch von uns haben! Mensch, mensch, mensch! Der Auftritt am Abend ist sehr schön, alles klappt, auch der Rap, wir werden bejubelt, aber wieder mal nicht angefasst. Den Abend lassen wir dann in einer Kneipe ausklingen. Robert macht noch einen Umweg über den örtlichen Dönerladen, der zur Tarnung mit „Philateliebedarf“ beschriftet ist. Nur Eingeweihte wissen, dass im Hinterzimmer Teigtaschen mit Fleisch gefüllt werden. Und Robert ist ein Eingeweihter. Als er zu uns in die Kneipe tritt, wedelt er mit einem Strafmandat. Er hatte den Fehler begangen, den Döner draußen auf der Straße zu essen, und ist damit prompt von der Polizei erwischt worden. Die Nacht ist ruhig, wir alle haben uns Pommes Frites in die Ohren gesteckt, damit wir durch das Schnarchen der anderem nicht im eigenen Schnarchrhythmus gestört werden. Morgens gibt es Frühstück und, als Heiko mit dem Auto vom Parkplatz kommt, ein Strafmandat. Vor den Toren von Marburg kehren wir hungrig in ein Restaurant ein. Dies verfügt über volle Parkplätze, eine übersichtliche Speisekarte, sämtliche Gerichte sind mit Fleisch. Außerdem, so preist ein großes Schild an, wird hier noch selbst geschlachtet. Die Fleischasylanten Marburgs finden hier Asyl. Auch wir. Hmm! Dann geht es weiter nach Trebur, bekannt durch den Ausspruch: „Wo ist das denn? Was ist das denn? Warum macht ihr das denn?“ Dort am Abend Auftritt vor acht Zuschauern und drei Pressevertretern. Wir ackern drei Stunden, wir sind verdammte Showgiganten. Die übersichtliche Meute ist entfesselt und verlangt eine Zugabe nach der anderen. Jeder Zuschauer bekommt quasi seine eigene. Die Veranstalter raunen uns zu: „Mann, seid ihr geil!“ Das klingt geil, denn wenn Veranstalter, die schon alles gesehen haben, so was sagen, könnte was dran sein. Die Auftritte in Trier und Darmstadt sind auch toll und wesentlich besser besucht als in Trebur. Die Rückfahrt von Darmstadt nach Berlin führt über Sangerhausen. Ich bin besessen, meinen Kollegen meine Heimatstadt zu zeigen. Frank hat Interesse, Robert brummt irgendwas. Die Rückfahrt nach Berlin verlängert sich durch meine Schnapsidee um mindestens drei Stunden. Denn die Autobahn, an der seit fünf Jahren gewerkelt wird, endet regelmäßig irgendwo im Acker, und wir kleben am Heck eines LKW, der sich über die kurvenreiche und an Steigungen nicht arme B 80 quält. Als Entschädigung bekommen die Kollegen dann in Sangerhausen eine kleine Besichtigungstour durch die Innenstadt. Eigentlich suchen wir nur ein Restaurant, in dem wir was essen können. Nur haben alle Restaurants geschlossen. Die Sangerhäuser haben das Essen eingestellt, wer keine Arbeit hat, will auch nicht essen. Ist außerdem zu teuer. Schließlich stranden wir im Café namens „Dreckskaschemme“ oder so ähnlich, wo uns eine Servicekraft mit einem mehrere Tage alten Soßenfleck auf dem hinteren rechten Schulterbereich ihres Feinschmutzbedeckten Arbeitsshirts aufgewärmte Armeenahrung serviert. Das ist Sangerhausen. Ich schäme mich. Zurück am Auto klemmt unterm Scheibenwischer auch noch ein Strafmandat. Wie haben zwar für 50 Cent einen Parkschein gelöst, das Auto aber nicht auf der erlaubte, sondern der unerlaubten Straßenseite abgestellt. Scheißstadt! Nur weg hier! Gesättigt durch undefinierbares Lebensmittelsurrogat fahren wir über Eisleben und Halle auf die A9, die ich ewig nicht finde, weil ich der großspurigen Meinung bin, mich hier auszukennen. Daher verzichtet Robert auf Unterstützung durch den Routenplaner. Darum landen wir erst viel später auf der Autobahn und noch später in Berlin. Franks Handy klingelt, die T-Com hat es wieder belebt. Er spricht ganz zärtlich etwas hinein. Berlin, Berlin, ich sage dir, auf Reisen kann man was erleben!


Kuscheln mit Sarah

Mainz: Bühne, Burggraben, Publikum.

Mainz: ein schönes Foto

Marburg: Kurzgeschichtenpotbourrianstehschlange

Marburg: Sexy Publikum

Trebur: Auch sexy Publikum, für jeden eins

Trebur: Atomwaffenfreie Zone, besser als Teheran

Trebur: Stilleben mit Stühlen

Bingen: Da ist der Mäuseturm

"Na, du alter Scheißturm!"

Frank groß, Turm klein.

Ansonsten herrscht Land unter in Bingen

Guck mal, ein Berlin-Schild!

Darmstadt: die gute Stube im HoffArt-Theater

Wie tief kann ein Mensch singen, wenns Mikro sinkt?

Franks zerschlissene Tourhose