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Prix 2016 von
Volker Surmann
| Intimes
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Zum ersten Mal in der 61-jährigen Grand-Prix-Geschichte wird der Eurovision Song Contest dieses Jahr nicht auf europäischem Boden ausgetragen. Das war bekanntermaßen notwendig geworden, nachdem die turkmenische Deathmetal-Splatterband „The Joronphooom-Singers“ nach ihrem souveränen Vorjahressieg nachträglich disqualifiziert worden war, weil sie – entgegen der eigenen Beteuerungen – während ihrer 3minütigen Live-Performance doch ein echtes Schaf auf der Bühne geschächtet hatte. Posthum wurde daraufhin das Schaf zum Sieger erklärt und der diesjährige Wettbewerb nach Wellington, Neuseeland vergeben. Mit diesem Skandal endet die knapp 10 Jahre währende Hardrockepisode in der Geschichte des Eurovision Song Contests, die im Jahr 2006 nach dem überragenden Sieg der finnischen Plastilin-Rocker Lordi begonnen hatte, und einzig im Jahr 2011 von der walisischen Fischerballade „Caru gwyrrd makr cerrd“ („Ich geh mit meiner grünen Makrele“) des parkinsonkranken Tamborinspielers Schaan Fforde unterbrochen wurde. Lordi begaben sich 2007 auf eine vierjährige Welttournee im Begleitprogramm der Körper-weltenausstellung, und sorgten bei ihrem fulminanten Comeback, 2014 in Tiflis, für einen mittleren Skandal, als sie in ihrer Bühnenshow öffentlich eine Ralph Siegel-Puppe kreuzigten – dafür aber mit einem guten zweiten Platz belohnt wurden. Der Verunglimpfte selbst musste sich mit seinem für das Baskenland starteten Gruppe „ETA HEITITEI“ mit dem 38. Platz zufrieden geben. Platz 1, wir erinnern uns, konnte der extra zuvor auf den Faröer-Inseln eingebürgerte 52jährige Axl Rose mit seiner Hardrockballade „You could be mine, if I could be a whisky bottle“ für sich entscheiden und den Eurovision Song Contest erstmals nach Torshaven auf der ehemals dänischen Inselgruppe holen, wo der Wettbewerb 2015 mangels Raumalternative im Kühlhaus einer Fischfabrik abgehalten werden musste. Gleich mehrere leicht bekleidete Shakira-Doubles aus den südosteuropäischen Staaten des ehemaligen Rumäniens traten daraufhin stark erkältet auf. Aber kommen wir zum diesjährigen Grand Prix. Den von Thomas Hermanns und Marie-Luise Marjan moderierten deutschen Vorentscheid „Ein Lied für Wellington“ konnte bekanntlich das Berliner Duo „Doc Strock“ für sich entschieden, bestehend aus den Liedermachern Volker Strübing und Thilo Bock mit der auf lateinisch gesungenen Midi-Soundcollage „Marilpa nostra“. Der Song gilt bei den Buchmachern als Favorit unter den chancenlosen Beiträgen. Gleichwohl setzt man in Deutschland wieder auf Berliner Songschaffen, nachdem Heiko und Wilko Werning im Vorjahr mit ihrem Duett „Ich freu mich auf die Pubertät, Papa“ den 3. Platz erringen konnten. Obgleich das Duo etwas an Udo und Jenny Jürgens’ erinnerte, wurde damit noch der hervorragende 4. Platz des Berliner Singer-Songwriters Nils Heinrich Holgersson „Ich sing am liebsten über PIEP!!“ im Jahr 2008 übertroffen. Zum engeren Favoritenkreis des diesjährigen Wettbewerbs zählt das siebenbürgische Eu-nuchen-Sextett „Dafehlwaskaya“ mit ihrem schmissigen Popsong „Schnippschnapp Schnab-beldidapp“. Das britische Pop-Magazin Popbitch.com berichtet indessen, das jüngste Mitglied der Ex-Boyband sei gar kein Kastrat, sondern nur noch nicht im Stimmbruch oder gar eine uneheliche Tochter von Sinead O`Connor. Auch einigen folkloristischen Beiträgen vom Balkan werden hohe Chancen auf einen Sieg eingeräumt, zumal sich die Zahl der teilnehmenden ex-jugoslawischen Teilrepubliken seit 10 Jahren vervielfacht hat. Für die „Former yugoslawic republic of Rund-um Dubrovnik“ tritt der 23jährige Ziegenhirte Mirco Blot“ an. Im Mittelpunkt seines Songs steht ein zweieinhalbminütiges Solo auf einem wiederentdeckten, traditionellen südostkroatischen Schlaginstrument, das aus der porösen Hirnhaut einer an Fleckfieber gestorbenen Bergziege gefertigt wird. Auch wenn der Text dieses Liedes mit „La la luuu“ alles andere als abwechslungsreich ist, legt der Texter Wert auf die Feststellung, es handle sich um eine hochpoetische platonische Liebeserklärung an einen adoleszenten Ziegenbock. Für einen Skandal in der „Former yugoslawic republic of Rund-um Dubrovnik“ sorgten allerdings die Recherchen der einheimischen Tageszeitung, nach dem Mirco Bot nie als Ziegenhirte gearbeitet hat, sondern nur als Ausmister auf einer Pelztierfarm. Trotzdem werden dem properen Naturburschen hohe Chancen auf einen Sieg eingereicht, v.a. weil er sich mit seinem rechtzeitigen Outing eine Woche vor der TED-Abstimmung der Stimmen der homophilen GrandPrix-Fangemeinde sicher sein kann – zumindest in den Ländern, wo ein Anruf für ihn nicht mit der Todesstrafe für praktizierte Homosexualität geahndet wird – wie etwa in Aserbeidschan, Weißrussland oder dem Vatikan. Der Vatikanstaat tritt übrigens zum dritten Mal mit einem eigenen Beitrag an; wieder versucht es Benedikt XVI persönlich mit einer dreiminütigen neu komponierten Liturgie, der keine Chancen eingeräumt werden, da der inzwischen 89jährige doch gravierende Probleme bei der obligatorischen Modulation hat. Außenseiterchancen hat wie eh und je die schwedische Sängerin Carola Häkvist, die zum Eurovision Song Contest inzwischen gehört wie der eine Punkt aus Deutschland nach Österreich. Auch im 11. Jahr ihrer Teilnahme wird die zum Maskottchen des Wettbewerbs gereifte Sängerin eine weitere ihrer beliebten ABBA-Parodien zur Uraufführung bringen. Erstmals treten in diesem Jahr an die Republiken Sizilien, Mallorca und das seit 2007 selbst-ständige sozialistische Königreich Saarland an. Der 2007 durch einen Putsch an die Macht gekommene und 2010 zum Arbeiter- und Bauernkönig gekrönte Oscar I. hat den Grand-Prix-Beitrag persönlich ausgewählt. Dem heiteren Volkslied „Ich bin der Saar-Loius!“ des alkoholkranken Stahlarbeiters Heinz-Klaus Kroppke werden sogar realistische Chancen auf den letzten Platz eingeräumt. Erstmals seit fünf Jahren darf auch Palästina wieder antreten, weshalb die Sicherheitsvor-kehrungen drastisch verschärft wurden. Schließlich gipfelte 2010 in Semipalatinsk die Büh-nenshow des palästinensischen Teilnehmers „Hamid ak-olrabi“ darin, dass er sich zum Ab-schluss seiner Performance regelwidrig in die Luft sprengte. Dass niemand zuschaden kam, war allein der starken Panzerung der nach ihm auftretenden isländischen Frauen-Deathmetalband „SATANSDOTTIR“ geschuldet. Dank der Schützenhilfe aus dem nahen Osten gewannen sie, wohingegen Hamid ak-olrabi disqualifiziert wurde. In diesem Jahr tritt für Palästina ein Kinderchor aus Intifada-Waisen auf. Gerüchten, bei der israelischen Drag-Queen Sheila Popeila handle es sich um einen verdeckten Auftragskiller des Mossad, wurde nachgegangen, allerdings ohne Erfolg. Der vor sechs Monat von der ARD losgeschickte Sonderermittler Klaus Bednartz hat bislang nichts von sich hören lassen. Besser sind die Chancen der autonomen italienischen Republik Sizilien, dessen Boygroup „les figli“ (Die Söhne), keinerlei gesangliches Talent dafür aber viele Freunde in anderen Eurovisions-Ländern haben, die beim TED-Voting schon im eigenen Interesse für Sizilien stimmen werden. Viele Buchmacher indes haben sich entschlossen, Wetten auf Sizilien nicht anzunehmen. Am Ende entscheiden bekanntlich auch nicht die Buchmacher sondern die Zuschauer in ganz Europa per TED. Drücken wir also unserem deutschen Duo „Doc Strock“ die Daumen, vielleicht doch noch unerwartet den zweiten Platz zu erobern wie Texas Lightning vor 10 Jahren. |